Ich möchte die Merkel nicht kennen lernen!


Ich möchte die Merkel nicht kennen lernen!
Oder: Warum Holgi keine Ansichtskarte aus Erfurt bekam

Neulich, so um den 15. Juni war ich wieder mal mit meinem Fahrrad unterwegs. Die Tour war oberflächlich geplant, jedoch sollte sie Richtung Osten nach Erfurt gehen. Ich hatte ja Holgi eine Ansichtskarte aus Venedig versprochen und in Erfurt gibt´s ein Venedig.

Weit kam ich nicht, denn schon am Kronsberg musste ich anhalten und meine Kamera auspacken.

Der Kronsberg mit seinen Anlagen und Wanderwegen ist möglicherweise einigen ehemaligen EXPO-2000 Besuchern in Erinnerung geblieben. Hier wurden verschiedene Projekte im Bezug auf ökologische Landwirtschaft und deren Umweltverträglichkeit vorgestellt. Und hier hole ich mir auch meine jährlichen Rationen an Wildkirschen, Löwenzahnblüten, Holunderblüten, Holunder, Schlehen und Haselnüssen. Daraus werden dann schöne Marmeladen und Gelees gekocht, Blechkuchen belegt oder ein paar hochprozentige Wässerchen für das allgemeine Wohlbefinden angesetzt. Für letzteres eignen sich besonders gut die kleinen Wildkirschen und die Schlehen, die man erntet, wenn ihnen der erste Frost zugesetzt hat.

Von all den leckeren Früchten war aber an diesem Tag noch nichts vorhanden. Was mich magisch anzog, war ein Klatschmohnfeld, das mir schon von weitem entgegen leuchtete. Als ich mich dem duftenden Teppich aus Abermillionen Blüten genähert hatte, war die Luft erfüllt von emsigen Treiben. Die Immen trugen den Blütenpollen und den Nektar Kilo- bzw. Literweise hinweg in die in der Nähe des Feldes  aufgestellten Stöcke. Auch anderes Kleingetier war fleißig damit beschäftigt, sich das Mahl schmecken zu lassen oder für den kommenden Winter die Vorratskammern zu  füllen.

Ja, ein Stück Mohnkuchen und eine heiße Tasse Kaffee, dass käme jetzt gerade Recht, bei den doch recht kühlen Temperaturen, die morgens um neun Uhr noch herrschten. Wenn man denn auf dem Weg nach Osten eine Bäckerei oder ein schönes Café…, dachte ich so vor mich hin. Naja, da würde sich bestimmt was finden. Schnell noch ein paar Fotos für meinen Blog und dann ging es auch schon weiter.

Auf dem Weg machte ich mir ein paar Gedanken über das emsige Treiben im Mohnfeld, wie die Natur das Vorhandene an die Lebewesen aufteilte, ohne dass da jemand steht und die Hand aufhält oder den Bienen sagt: „Wenn ihr Honig und Blütenpollen sammelt, dann müsst ihr aber 19 Prozent davon an uns abgeben“,  oder besser noch, „seid ihr eigentlich kranken- und rentenversichert? Wenn nicht, dann dürft ihr hier nicht sammeln“!

Ja, lachte ich so in mich hinein, manchmal habe ich schon ganz schön schräge Sachen in meinen Hirnwindungen. Aber was soll man auch unterwegs auf dem Fahrrad auch sonst machen als nachdenken? Nur treten und nochmals treten ist doch langweilig.

Und dann kam es mir in den Sinn, wie es wäre, wenn wir Menschen uns von der Natur nehmen könnten, was wir brauchen – nur das, was wir wirklich brauchen, und nicht um Dinge zu ernten, der weiteren Produktion zuführen um sie dann, wenn sie nicht verkauft werden, einfach zu entsorgen. Produzieren für Wachstum, für übervolle, bis zum Bersten gefüllte Regale, die dann, wenn das Mindesthaltbarkeitsdatum abgelaufen ist für neue, nicht gebrauchte Sachen leer zu räumen und sie dann auf dem Wohlstandsmüll landen.

Gut, das war ja mit den Bienen bzw. dem Imker, der die Bienenstöcke am Rande des Mohnfeldes aufgestellt hatte eigentlich kein anderes Spielchen, aber ich denke, wer seinen Bienen etwas Gutes tut, der bietet ihnen auch die Möglichkeit  mal den Honig von einer Mohnblüte zu holen. Ganz klar, der nimmt seinen Bienen einen Teil weg, lässt ihnen aber immer genug übrig, damit das Volk über den Winter kommt. Und wenn es dann mal nicht reicht, wird zugefüttert. Aber das Beste an der ganzen Sache ist, dass es keine arbeitslosen Bienen innerhalb eines Volkes gibt. Selbst die Königin, die zwar einen großen Hinterleib hat, arbeitet fleißig mit und legt den ganzen Tag Eier um für den Fortbestand zu sorgen.

Und dann kam mir das wieder mit den Menschen in den Sinn und mit unseren Volksvertretern, die sich eben nicht fleißig am Fortbestand des Volkes beteiligen, sondern uns immer mehr wegnehmen aber nicht „zufüttern“, besonders nicht bei den Menschen, die es bitter nötig haben. Und dann dachte ich noch , dass unsere Königin in den letzten Jahren ja auch einen ganz schön großen Hinterleib bekommen hat (einen fetten Arsch darf ich hier ja nicht schreiben), aber von Eier legen keine Spur. Ich stand gerade an einem Fußgängerüberweg und wartete, dass die Lichtzeichenanlage auf grün schaltete und musste mich doch sehr zusammenreißen, dass ich bei dem Gedanken nicht gleich lauthals loslachte. Dennoch war  zu diesem Zeitpunkt äußerlich erkennbar, dass ich lustige und zugleich garstige Gedanken in mir hegte. Eine junge Frau muss das wohl erkannt haben, blinzelte mir zu und ein Lächeln machte sich auf ihren Lippen breit. Es ist immer wieder schön, wenn man von wildfremden Menschen angelächelt wird. Ist Euch das nicht auch schon einmal so ergangen?

Kurz vor Braunschweig huschte auf der rechten Seite eine Bäckerei vorbei. Ich ging sofort in die Eisen und kam gut zwanzig Meter hinter dem Haus zum stehen. An einem Laternenpfahl schloss ich meinen Drahtesel an und ging die paar Schritte bis zum Eingang zurück. Glück gehabt, es gab ein kleines Stehcafé neben dem Verkaufsraum. Nachdem ich die Verkäuferin mit einem kurzen und knappen „Moin“ begrüßt hatte, was sie auch freundlich erwiderte, fragte ich sie, ob es Mohnkuchen gäbe. Und ich hatte Glück: Zwar keinen Mohnkuchen, so wie ich ihn aus meiner Bäckerei in Hannover gewohnt war, aber ein Hefezopf mit Mohnfüllung war genau das, was mir sofort vorschwebte ohne „Wenn und Aber“ und auf „Nimmer Wiedersehen“ in meinem Schnitzelfriedhof zu verschwinden.

Am Stehtisch, an dem ich den heißen Kaffee und das leckere Gebäck genoss,  dachte ich dann wieder an die vielen Bienen und daran, dass, wenn es sie nicht geben würde, die ganzen Mohnblüten nicht bestäubt würden und folglich auch kein Mohn zu ernten da wäre. Naja, dann dachte ich auch daran, dass in der letzten Zeit viele Bienenvölker von einer eigenartigen Krankheit dahin gerafft wurden. Und dann ging ich mit der Panik im Nacken in den Verkaufsraum zurück und holte mir noch ein Stück von dem schönen mit Mohn gefüllten Hefezopf… auch mit dem Hintergedanken, dass der Bäcker vielleicht eine kleine Überproduktion in der Auslage hatte und ich meinen Teil dazu beitragen könnte, das sie nicht weg geworfen wird. Hoffentlich gibt es unsere fleißigen Bienen noch recht lange, damit wir diese leckeren Backwaren noch sehr oft genießen können.

Nachdem ich Kaffee und Kuchen gezahlt hatte, schwang ich mich wieder auf meinen Drahtesel und fuhr weiter gen Osten. Und ich dachte noch mal über das Gedachte nach und fasste einen Entschluss: Ich möchte die Merkel nicht kennen lernen! Und deshalb fuhr ich nicht weiter gen Osten, denn es konnte gut möglich sein, dass mir unsere Königin dort begegnen könne, die mit dem dicken Hinterleib, die, die keine Eier legt und nur für ihren eigenen Vorrat sorgt; drehte auf der Stelle um und radelte zurück nach Hannover. So, jetzt wisst ihr, warum Holgi eine Ansichtskarte aus Sarstedt und nicht wie versprochen aus Erfurt bekommen hat.

Auf dem Rückweg kam ich nochmal am Mohnfeld vorbei, wo ich anhielt und mich in das angrenzende hohe Gras unter einen Wildkirschenbaum legte. Der Wind strich sanft über die Mohnblüten, die dabei lustig mit ihren Köpfen wackelten. Ein paar Margeriten und Kornblumen durften ihnen Gesellschaft leisten.  Ein paar Mickelitzen, die über meine Beine liefen, leisteten mir Gesellschaft. Das war das schönste Theater, das schönste Konzert, was ich in den letzten Jahren gesehen und gehört habe. Die Bienen summten, die Grillen zirpten und die Vöglein zwitscherten, dass es eine Freude war. Ich werde noch lange an diesen wunderschönen Tag zurück denken.


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