Nikolaus 2014

Wie Sankt Nikolaus einem Menschen ein neues Herz gegeben hat

Es lebte einst in Myra ein wohlhabender Kaufmann. Obwohl es ihm gut ging, war er nicht zufrieden mit dem, was er besaß. Man weiß ja, oft ist es so, je mehr einer hat, umso mehr will er zusammenscharren. Eines Tages begegnete ihm der Teufel. Der bot dem Kaufmann an, ihn über alle Maßen reich zu machen. Das einzige, was er dafür tun müsse, sei, ihm sein Herz zu geben. Er, der Teufel, versprach ihm stattdessen ein Herz aus Stein. “Denn ein so ein steinernes Herz musst du haben, wenn du unermesslich reich werden willst”, schloss er seine Rede.

Der Kaufmann willigte ein. Von nun an war sein ganzes Denken und Sinnen darauf gerichtet, seinen Reichtum zu mehren und Schätze anzuhäufen. Er verlieh oft Geld zu Wucherzinsen an Menschen, die in Not geraten waren, und trieb ihre Schulden nach der vereinbarten Zeit mit aller Härte ein. Er scherte sich nicht darum, wenn die Menschen Haus und Hof verloren und den Bettelstab nehmen mussten. Es kam, wie der Teufel versprochen hatte, der Kaufmann wurde bald der reichste Mensch weit und breit.

Aber die Zahl seiner Feinde wuchs. Schließlich scheute sich jeder, mit diesem Menschen zu tun zu haben. Sie gingen ihm aus dem Wege. Der Kaufmann verlor selbst seine besten Freunde und wurde sehr einsam. Er spürte, dass Geld und Gut in einem Menschenleben längst nicht alles ist, und das steinerne Herz lag ihm schwer in seiner Brust. Traurig lief er durch die Straßen. Da begegnete ihm der Bischof Nikolaus.

“Was bedrückt dich, Bruder?” fragte er den Kaufmann. Der erzählte ihm sein Leid. “Es gibt eine einfache Medizin, die dich heilen kann”, sagte Nikolaus, “aber wie manche gute Medizin wird sie dir bitter schmecken.” “Ich würde dir für eine solche Medizin geben, was immer du verlangst”, versprach der Kaufmann eifrig.

“Ich, mein Lieber”, sagte Nikolaus, “ich brauche nichts von dir, aber geh zu den Armen, zu den Kranken, zu denen, die kein Haus haben und in Not sind. Gib denen von deinem Überfluss und lindere ihre Leiden. Dann wird dein steinernes Herz mehr und mehr schmelzen.”

Es fiel dem Kaufmann zunächst schwer, dem Rat des Heiligen zu folgen. Aber dann versuchte er es, erst heimlich und bei Nacht. Er schlich sich zu den Häusern der Armen und legte ihnen einige Geldstücke vor die Haustür. Er gab denen, die keine warme Kleidung besaßen, von seinen eigenen Kleidern etwas ab. Wer Hunger leiden musste, der fand einen Korb mit Brot und Fleisch vor seinem Haus; ja er ließ kleine Häuser bauen und überließ sie armen Familien mit Kindern, ohne einen Mietzins von ihnen zu verlangen. Sogar ein Haus für die Kranken stiftete er. Bald schon hatten die Leute in Myra den erkannt, der vielen eine Hilfe wurde. Von Mal zu Mal fiel es dem Kaufmann leichter, sich von seinen Schätzen zu trennen. Er spürte, wie es ihm wärmer ums Herz wurde. Als er all seinen Reichtum weggegeben hatte, war auch sein steinernes Herz verschwunden, und ein Menschenherz schlug wieder in seiner Brust.

Nun dachte der Kaufmann voller Furcht, ich habe nichts mehr, was ich weggeben kann. Bald wird mich keiner mehr lieben. Aber es kam ganz anders. Er wurde oft eingeladen, ja, sogar die Armen teilten ihr Brot mit ihm, und er hatte viele Freunde in der Stadt.
Als er in Frieden starb, ging jeder, der laufen konnte, mit seinem Leichenzug, und tausend Zungen lobten seine guten Taten. Bischof Nikolaus hielt ihm die letzte Predigt und sagte, er wisse sicher, dass diesem Mann die Himmelstür offen stehe; denn Jesus selbst habe es ja gesagt: Was ihr dem geringsten meiner Brüder und Schwestern tut, das habt ihr mir getan.


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