Chef zu sein…

Kurt Tucholski beschreibt hier auf die ihm eigene Weise die “Chefs”

  • Der Chef ist ein verheirateter Mann von etwa 50 Jahren!
  • Der Chef ist sehr gewitzt, mitunter klug; in gewissen Dingen von Gott geschlagen und mitunter mit einem Brett vor dem Kopf versehen…
  • Der Chef hat ganz andere Sachen im Kopf als das Personal denkt. Vor allem denkt er gar nicht soviel an das Personal, wie das Personal annimmt…
  • Der Chef hat seine eigene Meinung über seine Leute, meistens die richtige. Eine falsche ist ihm mit gar keinem Mittel aus dem Kopf zu schlagen…
  • Der Chef ist imstande, nach einer ganz wichtigen Erklärung eines Angestellten, die sich der den ganzen Nachmittag über ausgedacht hat, zu sagen: “Sagen Sie mal, haben Sie eigentlich mal das Unkostenkonto durchgesehen?” Der Angestellte verliert den Faden, ärgert sich grün, verhaspelt sich und berichtet mit erstickter Stimme über das Unkostenkonto…
  • Der Chef organisiert von Zeit zu Zeit den Betrieb völlig um. Das schadet aber nichts, weil ja doch alles beim alten bleibt…
  • Der Chef wird abwechselnd als Blutsauger, Wohltäter, verrückter Kerl, maßloser Arbeiter und Halbgott angesehen. Das ist alles falsch! Er ist nur der Chef…
  • Der Chef will sich immer zur Ruhe setzen und hat manchmal den “ganzen Kram” satt. Das sind leere Versprechungen – er macht den Kram bis an sein Lebensende. Dann tritt ein neuer an seine Stelle. Der alte beginnt nunmehr die Lichtkonturen eines höheren Wesens anzunehmen und vereinigt in sich alle guten Eigenschaften der Welt – der neue Chef (siehe oben)

Wenn ich so überlege: gibt es “diesen Chef” so eigentlich noch??? – Das wäre ja furchtbar!!!


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