Redensarten

A

  • Das A und O — Das Wesentliche, Wichtigste, bleibend Gültige. Das griechische Alphabet beginnt mit Alpha (= A) und endet mit Omega (= O). Siehe auch: Alpha und Omega. Sprichwörtlich geworden durch den Bibelvers „Ich bin das A und O, der Anfang und das Ende, spricht Gott der Herr …“ (Offb 1,8 EU)
  • Jemandem eine Abfuhr erteilen — Ihn in der Rede / in einer Auseinandersetzung schlagen, oder aber auch: ihm eine Bitte abschlagen. Aus der Studentensprache, wo der in der Mensur unterlegene „Paukant“ aus dem Saal geleitet/abgeführt wird.
  • Etwas abklappern — Alles absuchen. Bei der Treibjagd wurde das Wild mit Holzklappern aus dem Unterholz gejagt.
  • Etwas abkupfern — Nachahmen, kopieren, plagiieren. Der Kupferstich war in der früheren Neuzeit die führende Technik zum Vervielfältigen von Bildern.
  • Sicher wie in Abrahams Schoß — Sich fühlen wie im Paradies. Nach dem Gleichnis vom reichen Mann und dem armen Lazarus in der Bibel (Lk 16,19–31 EU).
  • Da warst du noch in Abrahams Wurstkessel — Da warst du noch nicht gezeugt. Vermutlich nach dem Hebräerbrief im Neuen Testament. Darin ist die Rede davon, dass Levi zu der Zeit, als sein Urgroßvater Abraham dem Hohepriester Melchisedek begegnete, noch „in Abrahams Lende“ war.
  • Sich etwas abschminken — Eine Tätigkeit wird unterlassen. Zumeist antwortend nach Aufforderung. Das kannst du dir abschminken.
  • Mit Ach und Krach — Gerade eben noch. Verkürzung von „mit Ächzen und Krächzen“.
  • Sich vom Acker machen — Sich davonstehlen. Im Soldatenjargon wurde das Übungsgelände auch Acker genannt. Wer sich vom Acker machte, der drückte sich und war nicht selten fahnenflüchtig.
  • Jemanden zur Ader lassen — Ihn finanziell „erleichtern“, ausbeuten. Bader beherrschten die Kunst des Aderlasses und des Schröpfens, die sie sich gut honorieren ließen.
  • Aussehen wie ein Affe auf dem Schleifstein — ungewöhnliche oder unbequeme Fortbewegungsart, vor allem in Verbindung mit Zweirädern; seltsame Sitzposition. Abgeleitet vom dressierten Affen eines Scherenschleifers
  • Den Affen für jemanden spielen — Du kannst nicht alles mit mir machen. Auf Jahrmärkten traten früher häufig Gaukler mit Tieren wie Affen auf, die alle möglichen Kunststücke vorführen mussten, für die sie teilweise schikanös dressiert worden waren
  • Dem Affen Zucker geben — im Rausch ausgelassen lustig sein (Bei Theodor Fontane kommt die Wendung mehrfach vor, Da habe ich demissioniert und dem Affen meiner Eitelkeit das Zuckerbrot gegeben.)
  • Den Affen loslassen — lustig sein, sich einen vergnügten Tag machen
  • Ein Affentheater aufführen — ein übertriebenes Gebaren zeigen
  • Einen Affenzirkus veranstalten — viel Getue
  • Einen Affen sitzen haben — betrunken sein (angebliche Trunksucht des Affen oder Affen = Tornister der Soldaten)
  • Sich einen Affen holen — sich betrinken
  • Ich denke, mich laust (kratzt) der Affe. — Ausdruck hochgradiger unangenehmer Überraschung (Die Redewendung ging im 19. Jahrhundert von Berlin aus, wo die Wendungen „Ik denke, der Affe laust mir“ gängig war.)
  • Sich zum Affen machen — sich lächerlich machen
  • Affenliebe — übertriebene Liebe
  • Affenschande — offenbare Schande
  • Drei Affen — „nichts (Böses) sehen, nichts (Böses) hören, nichts (Böses) sagen“
  • Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche — darauf kannst Du Gift nehmen! Mit Amen (frei übersetzt aus dem hebräischen: so soll es sein) enden liturgische Gebete, also mit Sicherheit kommt dieses Wort in jedem Gottesdienst einige Male vor
  • Der Amtsschimmel (wiehert) — Die Bürokratie zeichnet sich durch Umständlichkeit und Prinzipienreiterei aus. Hat nichts mit dem Pferd zu tun, sondern ist eine Verballhornung des Wortes „Simile“ (lat. similis = ähnlich) für ein Musterformular in Österreich, nach dem die einzelnen Vorgänge bearbeitet wurden. Dieses musste vielen Situationen gerecht werden und war daher entsprechend umfangreich.[2]
  • Anglerlatein — siehe Jägerlatein
  • Äpfel mit Birnen vergleichen: — Unvergleichbares miteinander vergleichen.
  • In den sauren Apfel beißen: — Etwas Unangenehmes notgedrungen tun.
  • Etwas für einen Apfel und ein Ei (ver)kaufen: — Etwas spottbillig erwerben. Äpfel und Eier kosten relativ wenig.
  • Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm (Varianten: Der Apfel fällt nicht weit vom Pferd. Der Apfel fällt nicht weit vom Birnbaum): — Wie der Vater so der Sohn.
  • Apfel der Zwietracht, Zankapfel: — Zentraler Punkt einer Auseinandersetzung.
  • Sich ein Armutszeugnis ausstellen — Das Armenrecht ermöglichte nach Vorlage einer Bescheinigung der Wohngemeinde, Armutszeugnis genannt, und bei hinreichender Erfolgsaussicht das vorläufig kostenlose Führen eines Zivilprozesses.
  • Sich etwas aus dem Ärmel schütteln — Etwas erfinden, sich etwas schnell ausdenken, um sich aus einer schwierigen Situation zu befreien. Kommt aus dem Kartenspiel, da man schummeln kann, indem man gute Karten in seinem Ärmel versteckt, um sie, wenn man dann ein schlechtes Blatt hat, unbemerkt „aus dem Ärmel zu schütteln“. Eine noch ältere Deutung besagt, dass zu Zeiten, als die Gewänder weite Ärmel hatten, darin nicht nur die Hände gewärmt, sondern auch kleinere Gegenstände darin verstaut werden konnten. Letztere konnte man wieder aus dem Ärmel schütteln.
  • Noch ein Ass im Ärmel haben — Etwas Großes/ein überzeugendes Argument zurückhalten, um es im richtigen Moment zur Überraschung (anderer) einzubringen.
  • Man sollte ihn mit Argusaugen bewachen — Man sollte ihn dauernd gut beobachten. Argos, in der griechischen Mythologie von Hera beauftragt, Io zu überwachen, damit es nicht zu einem Schäferstündchen mit ihrem Gatten Zeus kommt, hatte 100 Augen, von denen immer welche wach blieben, während die anderen schliefen, wurde deshalb durch Hermes getötet.
  • Sich den Arsch aufreißen — Vulgär für „sich sehr anstrengen, sich sehr große Mühe geben“
  • Am Arsch der Welt. Derb für: Abseits der Zivilisation, abgelegen. Umschrieben auch: Wenn die Welt einen Einlauf bräuchte, dort würde er gemacht.
  • Jemand/etwas geht jemandem am Arsch vorbei — vulgäre, betonte Form des Egalseins
  • Asche auf dein Haupt! — Schäme Dich! meist eher ironisch verwendet. Oft auch in der Version, sich Asche aufs Haupt streuen. Abgeleitet von in der Bibel geschilderten Trauerriten (1 Makk 3,47 EU).
  • Das Auge des Gesetzes — Die Wendung das Auge des Gesetzes wacht findet sich in Schillers Lied von der Glocke.
  • Ein Auge auf jemanden werfen — Gefallen an jemandem oder etwas finden. Diese Wendung stammt aus der Geschichte von Susanna im Bade, einem apokryphen Text der Bibel im Buch Daniel. Dort heißt es: „Und als die beiden Ältesten sie täglich darin umhergehen sahen, entbrannten sie in Begierde nach ihr und wurden darüber zu Narren und warfen die Augen so sehr auf sie, dass sie nicht mehr zum Himmel aufsehen konnten und nicht mehr an gerechte Urteile dachten.“ (Dan 1,8 f. EU)
  • Einen Augiasstall ausmisten — Großen Dreck oder Unordnung beseitigen. Herakles brachte es nach der griechischen Sage fertig, in kürzester Zeit die Ställe des Augias, in denen 3000 Rinder gehalten worden sein sollen, von allem Unflat zu reinigen.
  • Etwas ausbaden müssen — Für etwas übermäßig oder ungerechtfertigt bestraft werden. Bis in die Neuzeit war es nicht unüblich, dass mehrere Personen nacheinander das gleiche Badewasser benutzen mussten. Die letzte Person in der Reihenfolge bekam das kühlste und schmutzigste Badewasser und musste zudem noch ausbaden, d. h. sie musste auch die Wanne reinigen und an ihren Platz zurück bringen.
  • Ein Ausbund von/an Frechheit (Schlechtigkeit, Tugend, Güte, Gelehrsamkeit) sein — Sich in der besagten Disziplin besonders hervor tun. Als Waren noch in undurchsichtigen und häufig unbedruckten Behältnissen verkauft wurden, wurde oft ein für das Auge besonders hübsches Warenmuster daran angebunden.
  • Jemanden ausstechen — Ihn übertreffen oder verdrängen. In den Ritterturnieren wurde Sieger, wer seinen Gegner aus dem Sattel stach.